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Sonnenschutz für na(c)kte Haut

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Sonnenschutz für na(c)kte Haut

Illustration: Louisa Zoé Wenkemann

Es ist soweit, die ersten sonnigen Tage geben uns einen Vorgeschmack auf den kommenden Sommer. Wie immer ist an einem solchen warmen Tag die Grillkohle fast ausverkauft, wir können uns glücklich schätzen, wenn wir noch das letzte Kühlgetränk unserer Wahl ergattert haben und später am Abend schwirren herrliche Grillschwaden über der Stadt.

Doch wer abends beim „angrillen“ plötzlich Juckreiz, Brennen oder spannende Haut verspürt und das Kaltgetränk sogleich als exogene Erfrischung missbraucht, kommt ganz schnell wieder aus dem Schwelgen heraus. #BrennenSollteNurDerGrill

An sonnigen Tagen, oder auch im Urlaub, sind wir intensiven Sonnenstrahlen ausgesetzt und damit einer erhöhten UV-Strahlung. Seit 2009 ist die UV-B-Strahlung von der Internationalen Agentur für Krebsforschung als krebserzeugend der Stufe 1 eingestuft [16] und so belegen Studien das erhöhte Vorkommen von malignen Melanomen durch UV-Strahlung, auch schwarzer Hautkrebs genannt [2]. Sonnenbrand, der durch eine intensive Sonneneinstrahlung auf der Haut entsteht, gilt hier als starker Verursacher für Melanome [9].

Wie können wir unsere Haut also zuverlässig schützen? #S(ohne)nbrand

Es gibt drei grundlegende und zu kombinierende Maßnahmen, sich äußerlich vor intensiver Sonnenstrahlung zu schützen. Zuerst einmal können wir unseren Aufenthalt in der Sonne begrenzen. Zusätzlich vermindert das Tragen von Kleidung und Sonnenbrille und die Verwendung von Sonnenschutzmitteln die Sonneneinstrahlung. Da in unserer Gesellschaft die Verwendung von Sonnenschutzmittel die beliebteste Maßnahme ist [16], haben wir uns gefragt: Was müssen wir auf der Suche nach dem richtigen Sonnenschutz beachten?

Hersteller von Sonnenschutzmitteln können auf 30 von den Behörden zugelassene Filter zugreifen, wodurch ein großes Angebot verschiedener Formulierungen entstanden ist [16]. So gibt es Sonnencremes mit hohem Fettgehalt, Gele ohne Fette und Emulgatoren, Lotionen mit weniger Fett und mehr Wasser, oder auch Sprays.

Sonnenschutz-Produkte werden meist in “physikalische” und “chemische” Filter sortiert.

Bei physikalischen Filtern bilden Mineral- und Mikro-Pigmente einen dünnen Film auf der Haut. Durch Reflektion und Streuung wird sie so vor UV-Strahlen geschützt. Ein Nachteil mineralischer Bestandteile wie Titandioxid oder Zinkoxid, sind die feste Konsistenz und damit weißliche Pigmentierung der Haut [4]. Weiterhin setzt zwar der Schutz des Produkts sofort nach dem Auftragen auf der Haut ein, muss allerdings nach sportlichen Aktivitäten oder dem Baden erneuert werden [7].

Dahingegen gibt es bei Sonnenschutzprodukten mit chemischen Filtern auch wasserfeste Optionen. Für eine optimale Wirkung sollte der Sonnenschutz jedoch schon 30 Minuten vor dem Sonnen aufgetragen werden [7]. Chemische Filter absorbieren Strahlung und geben sie als energieärmere, langwellige Strahlung wieder ab, wandeln also UV-Strahlung in Wärme um. Hierfür müssen aber die im Produkt verwendeten Stoffe von der Haut aufgenommen werden – das führte laut einer Studie bei 20% der Teilnehmer*innen zu einer Hautreaktion [5]. Eine weitere Studie belegt sogar die Aufnahme der chemischen Filter bis in die Muttermilch [15]. Auch bei Kindern wird die, durch die Absorption der Strahlung entstehende Wärme, oft als unangenehm empfunden.

Aber welche Art ist jetzt die richtige für mich?

Um unseren individuellen Hauttypen und Ansprüchen an die Sonnencreme gerecht zu werden, kann ein aufklärendes Gespräch in der Apotheke unseres Vertrauens weiterhelfen. Das gilt auch für die Wahl des LSF (Lichtschutzfaktors). Der LSF gibt an, wie viel länger wir uns bei der Verwendung des entsprechenden Produkts den Sonnenstrahlen aussetzen können, ohne hinterher durch einen Sonnenbrand gestraft zu sein. Diese „geschützte“ Zeit in der Sonne ist auch von der Eigenschutzreaktion unserer Haut abhängig. Jeder Mensch hat eine individuelle Eigenschutzreaktion abhängig vom Hauttyp [4,18]. Dabei wird die Produktion von Melanin ausgelöst. Melanin sind schwarzbraune (Eumelanin) oder gelbrote Pigmente (Phäomelanin), die für die Färbung unserer Haut verantwortlich sind. Diese Melanozyte werden unter der Oberhaut eingelagert und können dann Strahlung im UV-B Bereich absorbieren. Das Eumelanin ist darin besonders effektiv. So wird unsere wertvolle DNA geschützt [18]. Unser UV-Eigenschutz erhöht sich durch die erhöhte Melaninmenge in den Sommermonaten bis in den frühen Herbst, von Juli bis September [11]. Es gibt verschiedene Methoden zur Bestimmung des UV-Eigenschutzes [18] und bekannte Sonnencremehersteller*innen haben auf ihren Webseiten Pflege-Guides zur Hauttyp Bestimmung zusammengestellt.

Im Allgemeinen lautet die Formel:

Hautärzt*innen empfehlen:

  • Beim Eincremen besonders auf schwer zu erreichende Körperstellen achten (z.B. Handrücken, oberer Rücken, Ohren)
  • Der gesamte Körper benötigt in etwa eine Menge in der Größe eines Golfballs
  • Verwendung von wasserfester Sonnencreme, um den Schutz auch bei Bewegung und Schwitzen zu gewährleisten
  • Regelmäßiges Eincremen und Nachcremen nicht vergessen
  • Verwendung von Sonnenschutzmittel mit einem LSF von mindestens 30

Kann Sonnencreme ablaufen?

Ähnlich zu den Haltbarkeitshinweisen auf Tagespflege und Make-up, sollten wir gerade bei Sonnencreme auf die Haltbarkeit achten. 

Denn laut einer Studie der nationalen französischen Forschungsinstitution CNRS können sich Sonnencremes, die den Stoff Octocrylene beinhalten, mit fortschreitendem Produktalter zu Benzophenon entwickeln [3].

Benzophenon kann wiederum Hautausschläge, Überempfindlichkeiten oder auch Leberkrebs hervorrufen. Deshalb sollten wir vor dem Sonnenbaden überprüfen, ob unsere Sonnencreme bereits abgelaufen ist.

Ähm – Entschuldigung, aber was ist dann mit meinem Vitamin-D Spiegel?

Vitamin-D spielt eine tragende Rolle im Calcium- und Phosphathaushalt und damit in unserer Knochengesundheit [8]. Außerdem zeigen sich Zusammenhänge zwischen niedrigem Vitamin-D Spiegel und Lungen-, Brust- und Darmkrebs [9], sowie einer Vielzahl von weiteren Mangelerscheinungen. Dabei ist unser Vitamin-D Haushalt hauptsächlich von der Produktion von Vitamin-D3 abhängig [13]. Europaweit hat der Vitamin-D Mangel ein großes Ausmaß angenommen. Mehr als die Hälfte der Bevölkerung leidet an einem Vitamin-D-Defizit oder Insuffizienz [17]. In Deutschland sind vor allem während des Winters und Frühlings Vitamin-D Mängel zu erkennen [13]. Die körpereigene Herstellung von Vitamin-D, entsteht bei UV-Strahlung [16].

Wenn ich die drei Säulen des Sonnenschutzes aufrechterhalte, riskiere ich dann einen Vitamin-D Mangel?

Studien zeigen, dass bei Langzeitanwendung von Sonnenschutzmittel eine Reduktion der Vitamin-D Produktion eher unwahrscheinlich ist [16]. Die Empfehlungen der Universitätskliniken in Basel und Zürich ist das Entgegenwirken durch eine einfache Supplementierung [16].

Können Sonnenschutzmittel der Umwelt und unserer Haut schaden?

Als umweltschonend  Konsumierende wollen wir ja nicht nur unsere Haut, sondern auch die Umwelt schützen.

Jetzt kommt der Schock:

Nach Angaben des amerikanischen Instituts für Meeres und Atmosphären Forschung NOAA gelangen jährlich 6.000 Tonnen Sonnenschutzmittel ins Meer und treffen dort auf verwundbare Ökosysteme. Ein in Kosmetikprodukten häufig vorkommender Stoff, Benzophenon-3, hindert beispielsweise die Photosynthese und das Wachstum von Algen [20].

Die NOAA hat hierzu eine Liste veröffentlicht. Schaden durch die gelisteten Chemikalien können an Korallen, Algen, Muscheln, Fischen und auch an Delfinen entstehen. Auch bei der Verbraucherzentrale kann eine Liste mit problematischen Wirkstoffen für Haut und Umwelt eingesehen werden.

Sind mineralische Filter dann nicht besser?

Auch mineralische Filter in Sonnencremes, die in Form von Nano-Partikeln angereichert sind, wie Titaniumdioxid (NP) und Zinkoxid (NP), haben in der Vergangenheit zu kontroversen Diskussionen geführt. Einige Wissenschaftler*innen beschreiben, dass Nano-Partikel zu DNA-Schäden führen können [1], andere konnten in ihren Ergebnissen keine Rückstände von Nano-Partikeln in der Epidermis nachweisen [1].

Nano-Partikel sind kleiner als 100nm [6] und transparent [1], wodurch der “White Cast” vermieden wird, und wir nicht wie Eisbären aussehen. Wer Bedenken hat und auf Nano-Partikel in der eigenen Sonnencreme verzichten möchte, kann sie seit 2012 auf der INCI-Liste unter den zusätzlichen Angaben „nano“ finden.

Also – Welche Sonnencreme nehme ich?

Unsere Start-up Freunde von 4peoplewhocare haben sich dem Thema Sonnenschutz – gut für die Umwelt und für unsere Haut – angenommen und eine Sonnencreme auf Basis mineralischer Filter entwickelt (ohne Nano-Partikel!). Die Partikel sind nun zu groß, um in die unteren Bereiche der Epidermis einzuziehen.  Der Industrieverband für Körperpflege-Waschmittel e.V. hat sie daher als nicht schädlich deklariert [10].

Sonnencreme Naseweiss und Abschminktuch

Schaut gerne bei der Crowdfunding Kampagne der Sonnencreme „NASEWEISS“ vorbei und informiert euch dort über die Inhaltstoffe.

Zusammenfassung #KeinBrandAufNakterHaut

Die 3 wichtigsten Grundlagen: Begrenzung der Zeit in der Sonne, Haut bedecken, Sonnencreme auftragen.

  1. Überprüfe die Inhaltstoffe deiner Lieblingssonnencreme
  2. Nano-Partikel müssen auf der INCI-Liste mit „nano“ gekennzeichnet werden
  3. Alte Sonnenschutzcremes lieber entsorgen
  4. Besprich am besten mit deinem*r Ärzt*in oder Apotheker*in, welche Sonnencreme und Dauer für deinen individuellen Hauttyp in Frage kommt
  5. Kontrolliere deinen Vitamin-D Spiegel und halte dich an die Handlungsempfehlung deines*r Ärzt*in

Hinweis: Dieser Blog-Artikel stellt keine Handlungsempfehlungen dar. Maßnahmen bezüglich UV-Strahlung, Sonnencreme und Vitamin-D Mangel sollten konkret mit Ärzt*innen abgesprochen werden.

Du hast genug geschwitzt und willst deine Haut wieder reinigen? Entferne Sand, Meersalz und Schweiß, schonend von deiner Haut. 

Literaturverzeichnis

  1. Crosera, M., Bovenzi, M., Maina, G., Adami, G., Zanette, C., Florio, C., & Larese, F. F. (2009). Nanoparticle dermal absorption and toxicity: a review of the literature. International archives of occupational and environmental health82(9), 1043-1055.

  2. Cummins, D. L., Cummins, J. M., Pantle, H., Silverman, M. A., Leonard, A. L., & Chanmugam, A. (2006, April). Cutaneous malignant melanoma. In Mayo clinic proceedings(Vol. 81, No. 4, pp. 500-507). Elsevier.

  3. Downs, C. A., DiNardo, J. C., Stien, D., Rodrigues, A. M., & Lebaron, P. (2021). Benzophenone accumulates over time from the degradation of octocrylene in commercial sunscreen products.Chemical Research in Toxicology34(4), 1046-1054.

  4. Fischer, T., & Bartels, S. (2011). Prävention chronischer UV-Schäden der Haut: Wie sinnvoll ist Sonnencreme?-Online ZFA.

  5. Foley P, Nixon R, Marks R, Frowen K, Thompson S. The frequency of reactions to sunscreens: results of a longitudinal population-based study on the regular use of sunscreens in Australia. Br J Dermatol 1993; 128:512–8.

  6. Hackenberg, S., & Kleinsasser, N. (2012). Dermal toxicity of ZnO nanoparticles: a worrying feature of sunscreen?.Nanomedicine7(4), 461-463.

  7. Haluza, D. (2012) W. V. S. Kinder und Sonne.

  8. Holick MF. Sunlight and vitamin D for bone health and prevention of autoimmune diseases, cancers, and cardiovascular disease. Am J Clin Nutr. 2004;80:1678S–88S.

  9. Jenab M, Bueno-de-Mesquita HB, Ferrari P, van Duijnhoven FJ, Norat T, Pischon T, et al. Association between pre-diagnostic circulating vitamin D concentration and risk of colorectal cancer in European populations: a nested case–control study. 2010;340:b5500.

  10. Käser, H. (2011). Naturkosmetische Rohstoffe.Wirkung, Verarbeitung, kosmetischer Einsatz. Linz: FreyaVerlag2.

  11. Knuschke, P., Unverricht, I., Aschoff, R., Cuevas, M., Janssen, M., Koch, E., … & Thiele, A. (2010). Untersuchung des Eigenschutzes der Haut gegen solare UV-Strahlung bei Arbeitnehmern im Freien. Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin

  12. Moan, J., Porojnicu, A. C., Dahlback, A., & Setlow, R. B. (2008). Addressing the health benefits and risks, involving vitamin D or skin cancer, of increased sun exposure.Proceedings of the National Academy of Sciences105(2), 668-673.

  13. Rabenberg, M., Scheidt-Nave, C., Busch, M. A., Rieckmann, N., Hintzpeter, B., & Mensink, G. B. (2015). Vitamin D status among adults in Germany–results from the German Health Interview and Examination Survey for Adults (DEGS1).BMC public health, 15(1), 1-15.

  14. IARC Working Group on the Evaluation of Carcinogenic Risks to Humans. (1992). Solar and ultraviolet radiation (IARC monographs on the evaluation of carcinogenic risks to humans, vol. 55).Lyon: IARC.

  15. Schlumpf M et al.: Endocrine active UV filters: Developmental toxicity and exposure through breast milk. Chimia 2008; 62:345 – 351

  16. Surber, C., & Braun, R. P. (2017, June). Sonnenschutz. In Swiss Medical Forum(Vol. 17, No. 25, pp. 544-555). EMH Media.

  17. van Schoor, N., & Lips, P. (2018). Worldwide vitamin D status.Vitamin D, 15-40.

  18. Völker, S. (2012).Licht und Gesundheit (Doctoral dissertation, TU Berlin).

  19. Wu, S., Cho, E., Li, W. Q., Weinstock, M. A., Han, J., & Qureshi, A. A. (2016). History of severe sunburn and risk of skin cancer among women and men in 2 prospective cohort studies. American journal of epidemiology183(9), 824-833.

  20. Zhong, X., Downs, C. A., Che, X., Zhang, Z., Li, Y., Liu, B., … & Gao, H. (2019). The toxicological effects of oxybenzone, an active ingredient in suncream personal care products, on prokaryotic alga Arthrospira sp. and eukaryotic alga Chlorella sp.Aquatic Toxicology216, 105295.

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